Die Psychologie der Verdrängung

Vergangenheitsbewältigung ist oft ein schwieriges Thema. Schwer fällt die Gradwanderung das richtige Maß zu finden einen öffentlichen Diskurs zu führen, dabei genügend Sensibilität zu zeigen und dennoch das Erlebte mit der passenden Dosis Respekt in Erinnerung zu behalten um die richtigen Lehren aus solchen Ereignissen zu ziehen.

Schaut man sich die Definition der Verdrängung aus der psychoanalytischen Perspektive an stellt man fest das sie als grundlegender Abwehrmechanismus bezeichnet wird durch den tabuierte und bedrohliche Inhalte und Vorstellungen von der bewussten Wahrnehmung des Menschen ausgeschlossen werden.

Sprich eine Art Schutzmaßnahme unseres Ichs; nur was passiert mit Dingen die wir von unserer bewussten Wahrnehmung ausschließen? Sie geraten in Vergessenheit und mit ihnen die Ursachen wie es dazu kommen konnte sowie die Folgen die wir dadurch erleiden mussten.

Dadurch verlieren wir zwangsläufig den geschärften Sinn für die Gefahr; was uns zwar augenscheinlich ermöglicht ein sorgenfreieres Leben zu führen aber nicht mit der nötigen Bedachtsamkeit handeln lässt die nötig ist solche Vorfälle rechtzeitig zu erkennen und mit frühzeitigen Gegenmaßnahmen zu verhindern.

Eine wissenschaftlichen Definition des Homo sapiens, der weise Mensch, sagt aus das der Mensch gegenüber Individuen anderer Arten ihr erlerntes Wissen an nachfolgenden Generationen weiter geben kann. Nur der Mensch kann bewusst auf Informationen zurückgreifen, die viele Generationen vor ihm geschaffen haben.

Zudem besitzt der Mensch ein historisches Bewusstsein: Er ist in der Lage, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in kausale Zusammenhänge zu bringen. Hierdurch wird es ihm ermöglicht seine Handlungen zu vergleichen, planen und somit eine Zukunft zu entwerfen, die er durch absichtsvolle Handlungen zumindest teilweise erreichen kann.

Und dennoch ziehen sich viele dunkle Epochen durch die Menschheitsgeschichte und zeugen von unmenschlichen Grausamkeiten gegenüber der eigenen Spezies. Die Geschichte, so sagt man, neigt dazu sich zu wiederholen.

Mit dem Anspruch unsere eigene Definition zu erfüllen, Herr über unser Schicksals zu sein, müssen wir immer darauf bedacht sein aus unseren Fehlern zu lernen und uns stetig weiter entwickeln, den scheinbar endlosen Kreislauf immer wiederkehrender Verhaltensmuster zu durchbrechen.

Und so möchte ich auf ein erschreckendes Kapitel unserer Evolution zu sprechen kommen, einer besonders schaurigen Periode unserer Vergangenheit. Die meisten Leser werden zum Zeitpunkt als dieser Blogeintrag entstand von ihr gehört wenn nicht sogar selbst miterlebt haben. In den Geschichtsbüchern wird sie einmal bekannt werden unter den Namen: die 90er.

Wer jetzt nicht verängstigt zusammen zuckt wird die schlimmen Geschehnisse schon aus seinem Bewusstsein verdrängt haben; schon zulange scheint es her zu sein, der Blick auf die Vergangenheit verändert sich – wird unschärfer.

So ist es auch kein Wunder das man dazu neigt die Dinge zu relativieren, Geschichtsglättung zu betreiben. Zu grausam waren die Erfahrungen die man erlebte oder schlimmer noch gar selbst Mittäter gewesen zu sein. Und das waren wir fast alle! So etwas gesteht man sich natürlich ungerne ein aber dennoch waren wir Teil dieses System und nur eine kritische Masse konnte es mittragen.

Um ein bedeutendes Beispiel zu zeigen möchte ich folgendes Archivmaterial präsentieren welches beweist das es es auch weitaus schlimmeres gab als McHammer Hosen, Tamagotchis und Arschgeweihe. Von vielen vergessen oder gar geleugnet:

Das Modul

Mir ist durchaus bewusst das dieses Videomaterial die meisten Zuschauer schockieren wird, kaum jemand wird sich diese Gräueltaten bis zum Ende anschauen können. Dennoch empfinde ich es als wichtig heute darauf aufmerksam zu machen; es nicht einfach vergessen zu lassen. Nur so können wir uns unserer Vergangenheit bewusst werden und Verantwortung für die Zukunft übernehmen. Nie wieder darf von deutschem Boden ein solch furchtbarer Happy Hardcore ausgehen. Kritiker werden mir vorwerfen das ich Populismus auf Kosten der Opfer betreibe, alte Traumata wieder aufleben lassen. Sicherlich werden sie auch behaupten das es nur eine kurze Randerscheinung war, die wirren Triebe einer krankhaften Randgruppe, doch allein im Falle von Das Modul sprechen annähernd 1 Millionen verkaufter Tonträger eine ganz andere Sprache. Und das sind noch mikroskopisch kleine Zahlen wenn man sich die Verkaufszahlen einer anderen Seuche des späten 20. Jahrhunderts anschaut, den Dancefloor inklusive seiner perversesten Erscheinung Eurodance.

Längst in Vergessenheit geratende Namen wie Captain Jack, Mr. President, Blümchen, Lucilectric, E-Rotic, Rednex oder Mo-Do hatten ihre Populärste Zeit in dieser Epoche.

So hat, nur um ein kleines Beispiel zu zeigen, Hans Peter Geerdes oder besser bekannt als H.P. Baxxter zusammen mit seiner Gruppe Scooter um die 30 Millionen Tonträger verkauft. Dieser Fakt und das Scooter bis zum heutigen Tag aktiv ist, immer noch Gehör findet, sollte bei jeden vernunftbegabten Menschen die Alarmglocken erklingen lassen.

Das wir niemals wirklich sicher vor einem Revival eines solchen Gedankengutes und Musikgeschmack sind wurde uns im Jahre 1998 schmerzlich bewusst. Nachdem Kontinentaleuropa und die ganze Welt bereits zwischen 1984 und 1987 schwer gezeichnet wurde durch die Terrorchartherrschaft von Modern Talking, vereinte sich das Duo erneut um weitere 5 Jahre Menschen mit guten Musikgeschmack im Radio oder Fernsehen zu verfolgen. Etwa 120 Millionen verkaufte Tonträger sind die traurige Bilanz.

Daher lege ich euch ans Herz, leugnet nicht Das Modul, leugnet nicht die 90er. Nicht alles aus dieser Periode war schlecht aber lasst uns die Zukunft noch besser machen. Und das geht nur wenn wir unsere Fehler eingestehen und von ihnen lernen.

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